Sri Sai Prana Yoga

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Über Yoga und Meditation

Es ist eine wundervolle Sache, dass Yoga sich immer weiter über die ganze Welt verbreitet und immer mehr Menschen von den Lehren des Yoga profitieren können. Die Schönheit des Yoga liegt vor allem auch darin, dass sie frei von Glauben ist. Egal ob wir Buddhist, Christ, Moslem, oder Atheist sind, Yoga spricht den Menschen an und nicht das Weltbild, das hinter ihm steht. Jeder Mensch und jedes Lebewesen möchte vor allem eines: Glücklich sein und Leiden vermeiden. Wir sollten uns das immer im Bewusstsein behalten, denn jede/r hat seine/ihre eigene Strategie, von der sie/er meint, dass sie zu mehr Glück und weniger Leiden führen wird. Und meistens ist genau das das Motiv unseres Handelns. Yoga hat sich genau dieser Fragestellung gewidmet und möchte uns einen ganzheitlichen Weg zu mehr Glück und weniger Leiden aufzeigen.

 

Yoga ist also mehr eine Wissenschaft, die das eigene Selbst zum Objekt seiner Forschung gemacht hat, und das damals wie heute mit erstaunlichen Ergebnissen für den Übenden. Viel des ursprünglichen Yoga wurde angepasst und verändert um den Anforderungen unserer heutigen Schnelllebigen Gesellschaft gerecht zu werden, aber worin liegt die Essenz des Yoga und warum ist es wichtig Yoga als ein ganzheitliches System für Körper, Geist und Seele zu sehen?
 

Der Begriff Yoga kommt aus dem Sanskrit und bedeutet soviel wie Anbinden oder Vereinigen.

 

Wie dürfen wir das verstehen?

 

Stellt euch einen Ochsen vor, der vor einen Karren mit Pflug gespannt wird und diesen über ein Feld zieht, um es umzugraben. Wenn der Karren in einem guten Zustand ist und alle Teile des Karrens möglichst reibungsfrei funktionieren, so kann der Ochse den Karren lange und weit ziehen. Geht der Karren kaputt, so wird es der Ochse nicht mehr schaffen den Karren weiter zu ziehen und es wird ein anderer Karren vor den Ochsen gespannt. Der Ochse macht die ganze Arbeit, weil sein Besitzer es so von ihm Verlang. Dafür wird der Ochse von seinem Besitzer mit Nahrung und Pflege versorgt, damit dieser auch weiterhin seine Arbeit tut. Der Besitzer des Ochsens möchte, dass sein Feld am Ende des Jahres in reicher Ernte steht, dass die Früchte auf seinem Feld wachsen und gedeihen. Dafür braucht er den Ochsen und seinen Karren und den Pflug. Ohne sie schafft er es nicht seinen Acker zu bestellen.

Der Karren und der Pflug, das sind wir Menschen mit unseren Werkzeugen, den Sinnen und unserem Verstand. Wir sind das Potenzial und das Werkzeug aus dem Entwicklung und Frucht entstehen kann.

Lord Krischna spricht in der Baghavad Gita mit Ardjuna sehr detailliert über drei Wesenheiten. Sie lassen sich unter verschiedenen Begebenheiten betrachten und die folgende Darstellung ist nur eine unter mehreren.

 

Nach den drei Wesenheiten, die unser ganzes Universum durchdringen, die sogenannten Gunas, sind wir Menschen „Tamas“, das Potenzial. Gäbe es niemanden, der den Karren zieht, würde dieser Nutzlos sein und langsam verfallen ohne sein Potenzial ausgelebt zu haben.

Der Ochse ist die Kraft und die Energie die uns zieht, die uns in Bewegung hält und es liegt in seiner Natur mit Kraft voranzuschreiten. Er spiegelt die Wesenheit „Rajas“ die Leidenschaft oder das Handelnde wieder. Der Ochse steht für die Triebe und Leidenschaften die uns zum Handeln bewegen. Für unsere Sturköpfigkeit und unser beständiges handeln ein eine Richtung.

 

Der Besitzer des Ochsens ist unsere Seele. Sie verkörpert die Wesenheit Sattva, oder die Intuition, den Plan. Der Plan unserer Seele ist angepasst an unser Wesen und unseren Körper. So wie wir sind, sind wir perfekt um diesen Plan auszuführen. Die Seele versorgt uns mit allem was wir brauchen um ein glückliches Leben zu führen und um die Früchte des Feldes zu ernten. Aber das Ganze funktioniert nur, wenn der Ochse auf seinen Besitzer hört und der Karren in einem guten Zustand gehalten wird.
 

Das ist mit Anbindung gemeint, wir müssen uns an unsere Seele anbinden, denn sie hat den Plan für unser erfülltes Leben.
 

Aber wie verbinden wir uns mit unserer Seele, und wie können wir von unserem Plan erfahren

 

Der achtgliedrige Pfad des Ashtanga nach Patanjali beschreibt das Raja Yoga, den königlichen Weg zur Anbindung an unsere Seele und möchte uns genau dorthin führen.

 

1.Nama - Tugenden (innere Reinigung)


2.Niyama - Persönliche Disziplin (innere Reinigung)


3.Pranayama - Kontroliieren des Atems, Kontrollieren der Lebensenergie (innere und äußere Reinigung)


4.Asana - Kontrollieren des physischen Körpers (äußere Reinigung)


5.Pratyahara - Zurückziehen der Sinne nach innen (den Ursprung des Leidens erkennen)


6.Dharana - Konzentration (alle Aufmerksamkeit ist auf einen Punkt gerichtet)


7.Dhyana - Meditation (erweitertes Gewahrsein, Konzentration breitet sich immer weiter im Raum aus.


8.Samadhi - Erleuchtung (Einheit mit allem)

 

Die acht Glieder bauen aufeinander auf und ergänzen sich, um zum letztendlichen Ziel dem Samadhi zu führen. Arbeitet, man nur mit einem der Glieder, so führt dies zwar zu einer Verbesserung des eigenen Lebens und zu mehr Leichtigkeit, aber es braucht immer die Ganzheit dieses Systems um das Ziel zu erreichen. Es gibt keine Abkürzungen.

 

Dieser Weg, er ist lang und beschwerlich, aber auch voller Wunder und Leichtigkeit, soll uns Schritt für Schritt zu unserem wahren Selbst führen, zu unserer vollen Anbindung an unsere Seele, zu unserem vollen Bewusstsein und zum Erreichen unseres Potenzials.
 

Nama ist der erste Schritt. Dieser ist wichtig, um innere Stille in uns zu kultivieren. Zusammen mit Niyama bildet er eine Einheit aus Praktiken, die uns helfen innerlich ruhig zu werden und Dingen die uns daran hindern Ruhe zu erhalten. Das ist mit innerer Reinigung gemeint, denn ein Nichtbeachten dieser Tugenden führt zu einem inneren Ungleichgewicht in uns Menschen. Sie sind an die Menschliche Natur und unsere Evolution als soziale Wesen angepasst. Die menschlichen Tugenden werden wie folgt beschrieben.

 

•Liebevolle Freundlichkeit und Nicht-Verletzen
•Ehrlichkeit
•Genaue Wahrnehmung
•Korrekter Ausdruck und Nicht-Lügen
•Großzügigkeit und Nicht-Stehlen
•Mäßigung und Nicht-Übertreiben
•Beständigkeit in Ziel und Anstrengung und Nicht-Faulsein

 

Haben wir das Wesen dieser Tugenden verstanden und gelernt sie zu einem Maß zu kultivieren könnten wir direkt mit der Meditation beginnen. Aber es gibt noch mehr was innere Unruhe in uns erschafft. Stellen wir uns einen Menschen vor der innerlich ruhig ist. Wie wirkt dieser Mensch auf uns was strahlt seine Stille aus? Er/Sie atmet ruhig und gleichmäßig, und seine/ihre Bewegungen sind entweder still, oder mit viel Bewusstsein und Eleganz ausgeführt. Er/Sie wirkt fokussiert und wach. Was immer ihr/ sein gegenüber ihr/ihm auch sagt, ob diese/r schreit oder provoziert, die innere Ruhe bleibt erhalten. Jetzt stellen wir uns vor wir setzten uns hin zur Meditation und nach drei Sekunden fängt der Verstand an uns zu sagen:“ Was machst du da? Findest du das produktiv? Pizza wäre jetzt nett. Hab
ich eigentlich vorhin das Auto abgeschlossen?“ Innere Ruhe - Fehlanzeige. Wir müssen zuerst lernen unseren Geist zu kontrollieren und uns innerlich zu beruhigen.

Erstmal tief durchatmen. Wir signalisieren unserem Körper so, dass alles in Ordnung ist und beruhigen so auch unser Nervensystem. Aber Pranayama ist mehr als nur tiefes, bewusstes Atmen. Es gibt verschiedenste Techniken, die enorme Auswirkungen auf unseren ganzen Körper haben. Dabei ist es sehr wichtig, diese mit Vorsicht auszuführen und genau auf Signale unseres Körpers zu achten. Korrektes Pranayama ist sehr sanft und gleichmäßig aber gleichzeitig stark und Kraftvoll. Korrekt angewendet macht es uns widerstandsfähiger, ausgeglichener, innerlich ruhig, kann Hitze und Kälte im Körper erzeugen, vitalisiert alle Organe und verbessert die Leistung des Gehirns.
 

Haben wir den Atem zu einem gewissen Grad unter unserer Kontrolle, setzen wir uns wieder hin und vielleicht schaffen wir es für 30 Sekunden ohne Gedanken einfach nur dazusitzen. Dann kommen ein paar Gedanken, dann wieder Stille und nach fünf Minuten schaltet sich der Verstand wieder ein: “Aua. Knie tut weh.“ Dann wieder kurze Stille, doch dann:“Aua. Rücken tut weh“. Und schon ist die innere Ruhe wieder dahin

Deswegen gibt es Asana, die Körperstellungen, die uns dabei helfen, Kontrolle und Bewusstsein in unseren gesamten Körper zu bringen. Außerdem fühlt sich unser Körper durch diese Übungen leichter an. Sie machen uns widerstandsfähiger und ausdauernder, sodass es uns durch die Übung von Asana leichter fällt für einen längeren Zeitraum zu sitzen, ohne von Schmerzen oder Müdigkeit gestört zu werden.

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Können wir ohne Störung für einen längeren Zeitraum sitzen, dann können wir beginnen mit der Übung von Prayahara, dem Zurückziehen der Sinne nach innen. Normalerweise sind unsere Sinne nach außen gerichtet. Wir sehen einen Apfel und sagen: “Dort liegt ein Apfel.“ Wir riechen den Apfel und wenn wir nach ihm greifen, können wir ihn fühlen und das knackende Geräusch hören, wenn wir in ihn hineinbeißen. Unsere Sinne richten sich nach außen auf den Apfel und erschaffen in uns gewisse Erwartungen, die aus vorhergehenden Erfahrungen mit dem Apfel hervorgehen. Werden die Erwartungen unserer Sinne nicht erfüllt, sind wir enttäuscht. Werden sie erfüllt, wird diese Erwartung gestärkt. Richten wir unsere Sinne aber nach innen, so können wir erkennen, dass der Apfel als den wir ihn sehen, riechen, schmecken, fühlen und höhren, so wie alle anderen Dinge die unsere Sinne und unser Verstand wahrnehmen in uns selber erschaffen werden. Wir sind in der Lage an die Wurzel unseres Leidens zu gehen, indem wir die Sinne von den Objekten der Begierde im außen, nach innen richten. Dort können wir sie als einfaches Werkzeug zur Beobachtung eben dieser Begierden nutzen. Wir beginnen zu verstehen, was uns leiden lässt und warum wird leiden, was uns davon abhält damit aufzuhören und später auch, wer wir sind. Wir lernen uns innerlich kennen.

Dharana, oder Konzentration ist der erste Schritt wenn wir beginnen wollen zu meditieren. Meditation bedeutet erweitertes Gewahrsein, also eine Ausdehnung des normalen Bewusstseins.

Wollen wir unser Gewahrsein erweitern, müssen wir lernen, unseren Verstand auf ein einzelnes Objekt zu richten. Nach einer bestimmen Zeit der völligen Konzentration und innerer Stille entsteht ohne weiteres zutun Meditation. Wir werden eins mit dem Objekt unserer Betrachtung und befinden uns, wenn wir fortfahren in einem Zustand, in dem unser Ego und unsere Gedanken keine Rolle mehr spielen. Es ist ein zeitloser Zustand voller Glückseligkeit. Im Yoga wird dies auch mit unserer eigentlichen Natur als Sat Chit Ananda beschrieben. Existenz mit Bewusstsein in Glückseligkeit. Aus der Meditation wird durch diesen Zustand eine Verschmelzung mit allem Samadhi.

 

Yoga ist kein Hobby, sondern eine Lebenseinstellung, auch wenn es Menschen, die Yoga hobbymäßig betreiben, auf jeden Fall nutzen wird.
 

Wer immer sich auf dem Pfad des Yoga befindet, wird immer wieder auf die Probe gestellt werden, er/sie wird immer wieder Schwierigkeiten haben, den Weg fortzuführen. Sie/Er wird auch immer wieder belohnt werden und immer wieder Zeiten voller Leichtigkeit und innerem Glück durchleben. Es kann sein, dass ihm/ihr alles genommen wird und es kann sein, dass sie/er alles bekommt. Es ist wie das Leben selbst.
 

Es ist der Weg den wir alle bewusst oder unbewusst gehen.

 

 

Sri Aurobindo - „All life is Yoga“
 

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© 2016 Sri Sai Verein für Yoga und Meditation e.V.

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