Sri Sai Prana Yoga

Rückblick Yogalehrerausbildung 2016

Bettina Illgen

Die Yogalehrerausbildung wirkt immer noch in mir nach und unterstützt meine Entwicklung; manche Samen, die dort gesät wurden, beginnen vielleicht jetzt erst, langsam aufzugehen.

Durch Berichte begeisterter früherer Teilnehmer schwebte die Yogalehrerausbildung in Indien schon mehrere Jahre immer mal als faszinierende Möglichkeit durch meine Gedanken. Doch zuerst mussten die Kinder ein verträgliches Alter (8 und 12 Jahre) haben und auch die 4 ½ Wochen Auszeit praktisch möglich werden. Einmal Aussteigen aus dem alltäglichen Hamsterrad, endlich genug Zeit haben für das, was so guttut und oft zu kurz kommt, einmal ganz weg sein, ganz woanders sein, Regeneration und Reinigung des Körpers – dies waren, neben der Ausbildung an sich und den sich aus dem Abschluss evtl. ergebenden neuen beruflichen Möglichkeiten, meine primären Motivationen.

Wer Paramahansa Yoganandas Buch „Autobiographie eines Yogi“ kennt, weiß, warum Yoga und Indien eine gute Kombination ist. Trotz dem ich das empfehlenswerte Buch kannte, hatte ich keine verklärte Indiensicht – eher sogar etwas Bedenken bzgl. möglicher Malariagefahr oder sonstiger Erkrankungen und giftiger Tiere, welche aus meinem Familienumfeld genährt wurden, wo es immer wieder zu Gesprächen bzgl. dieser Gefahren kam. Beim ersten Moskitostich in Indien schwappte diese Gedankenwelle dann auch extrem über mich hinweg; ich fühlte mich schlagartig extrem körperlich geschwächt – was ich mental erstmal korrigieren musste, denn es war natürlich völlig irreal: nicht jede Mücke überträgt gleich Malaria, und außerdem war Dr. Christa Wirkner-Thiel dabei und hatte jegliche relevante Notfallmedizin im Gepäck. Was ich jedoch dabei erfahren habe, ist, dass Gedankenkraft in Indien eine direktere Qualität hat. Ja, Indien hat ein anderes mentales Feld und ich habe insgesamt die Wahrnehmung, dass es uns guttut, uns ein paar Wochen in diesem Feld zu bewegen.

Schon bei der Ankunft in Indien beginnt man – bewusst oder unbewusst – etwas anders zu denken und zu empfinden. Ich habe es erlebt als eine Konzentration auf das Wesentliche und als stärkeren Seelenkontakt. Das Wissen darum, was dir wichtig ist im Leben, worauf es ankommt, wo deine Liebe hingeht, wo Vergebung nötig ist … ist viel unmittelbarer und klarer und es können auch Konfrontationen mit eigenen inneren Blockaden stattfinden. Vom Außen betrachtet erscheint Indien sehr chaotisch – alle nur denkbaren Gegensätze existieren scheinbar nebeneinander, unter – und übereinander und damit völlig durcheinander, es scheint an Struktur, Konsequenz und Verantwortung zu fehlen. Vom Innen betrachtet leben die Inder einfach sehr im Moment und besitzen eine stark ausgeprägte Intuition. Sie leben mehr mit dem Herzen, sind stärker in Hingabe, Demut und im Loslassen, konzentrieren sich auf das Wesentliche, eher Zwischenmenschliche und verlieren sich weniger im Außen.

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Ein schönes farbiges, vergängliches Mandala in Verbundenheit und Hingabe auf die Erde gemalt, die Götter werden mit Liebe genährt … der Fokus ist einfach ein anderer. Und genau dieser Fokus ist Grundlage spiritueller Entwicklung und genau deswegen tut Indien gut, weil wir es hier nicht, wie bei uns, erst als innere Einstellung entwickeln oder in wesensfremden, kopflastigen Alltagroutinen immer wieder bewusst suchen müssen, sondern uns in einer Umgebung bewegen, wo all dies selbstverständlicher Lebensausdruck ist.

Das Zentrum in Nasarpur ist ein sehr schöner Ort. Wir waren hier sehr behütet und rundum gut versorgt mit wundervoller Natur, allerbestem gesundem und leckerem Essen und wertvoller Nahrung für Geist und Seele. Der gesamte Tagesablauf, welcher sehr früh und für mich mit Freiluftduschen unter Sternenhimmel begleitet von fremdartigen Tiergeräuschen begann, war sehr angenehm und bereichernd. Der absolute Höhepunkt des Tages waren für mich die Unterrichtsstunden mit Acharya Sasidhar, das Eintauchen in indische Kultur und Philosophie, die Hintergründe der Bhagavadgita und spirituelle

Zusammenhänge. Für mich eröffnete sich jedesmal eine faszinierende Tiefe hinter dem Gesagten. Hellwach und total begeistert saß ich in diesem Unterricht – ich liebe diese ganzheitlichen großen Zusammenhänge und die Klarheit und Einfachheit tiefer Weisheit. Dabei vermittelte Acharya Sasidhar sein umfangreiches Wissen nicht nur über die Worte, sondern auch auf energetischer Ebene, was oft direkt spürbar war und zeigt, dass er sein Wissen nicht nur aus dem Kopf, sondern in Verbindung mit selbst erlebten, erfahrenen Bewusstseinsebenen abruft.

Dr. Christa vermittelte uns zusätzlich anatomisch-medizinisches Wissen. Eine gewisse Entgiftung und Reinigung des Körpers fand durch die gesunden und nur 2x täglichen Mahlzeiten (so, wie das für Yogis erstrebenswert wäre) und durch die super liebevollen, ebenfalls 2x täglichen Yogaeinheiten mit Master Sai statt. Jeder wurde in irgendeinem Bereich, der vorher etwas blockiert war, beweglicher und wir konnten sogar eine wundersame Wirbelsäulenaufrichtung einer Teilnehmerin im Verlauf der 4 Wochen erleben. Ab und zu wurde unser routinierter Ablauf durch einen Ausflug in die Umgebung unterbrochen. Besonders beeindruckend war für mich ein Ausflug in eine Felslandschaft mit bis zu 20000 Jahre alten Felsmalereien und vielen Geheimnissen und energetischen Höhlen. Energetisch wurden wir im Verlauf der 4 Wochen entsprechend unseren Möglichkeiten (oder der Beschaffenheit unseres Saatbodens :-) )auf unterschiedlichste und subtile Weise durch unsere Lehrer gefördert – wohl dosiert und mit der Möglichkeit des nachhaltigen Weiterwirkens.

Ein Jahr nach diesen reichen Erfahrungen freue ich mich, dass ich regelmäßig meine spirituelle Praxis/ Yogapraxis im Alltag integrieren kann und sei es manchmal nur ein Minimalprogramm, dafür jedoch täglich und mit mehr Hingabe. 5.00h, oder manchmal auch früher, aufzustehen und den Tag somit zu „überlisten“, weil ich mir „meine Zeit“ schon vor Tagesanbruch nehme, gelingt mir öfter und die innere Zufriedenheit, Ausgeglichenheit und Harmonie erlebe ich als stabiler. Mit dem Unterrichten bin ich noch nicht so schnell vorangekommen wie andere Teilnehmer, welche schon mehrere Kurse in der Woche anbieten. Bei mir gibt es mangels klar planbarer Arbeitszeiten und auch, weil ich meine Kinder nicht so oft allein lassen wollte, erstmal nur ein monatliches Sonntagsyoga. Dieses vorzubereiten, inklusive Meditation und Mantras, macht Freude und lässt mich selbst immer weiter lernen. Ich hoffe, dass ich im neuen Jahr eine Lösung für einen regelmäßigen Kurs finde, um richtig einzusteigen … aber alles zu seiner Zeit.

© 2016 Sri Sai Verein für Yoga und Meditation e.V.

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