Sri Sai Prana Yoga

Von Dr. Christa Wirkner-Thiel

Die meisten Menschen suchen irgendwann nach dem Sinn in ihrem Leben und wie sie es in bester Weise nutzen. Und so war ich gespannt, wie der Dalai Lama dieses Thema behandelt. Den Dalai Lama kennen wir als einen heiligen spirituellen Menschen, der glücklich wirkt und durch seine immerwährende Freundlichkeit, seinen Humor, sein Wissen und seine demütige Haltung beeindruckt. Es hat mich fasziniert, wie er in  einfacher Weise die Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens auf das Wesentliche reduziert und dann Anregungen formuliert, die helfen, diese Erkenntnisse für sich selbst umzusetzen. Gute Gedanken, um sie mit anderen zu teilen.

Sein persönliches Glück finden

Der Sinn des Lebens besteht darin, „glücklich zu sein. Vom Moment seiner Geburt an sehnt sich jedes menschliche Wesen danach, glücklich zu sein und Leiden zu vermeiden. Weder gesellschaftliche Normen noch Erziehung oder eine Ideologie können diesen Wunsch zerstören. Im tiefsten Inneren sehnen wir uns schlicht nach Zufriedenheit. …Ob das Universum mit seinen unzähligen Galaxien, Sternen und Planeten einen besonderen Zweck erfüllen“ ist schwer zu beantworten. Aber klar ist, wir Menschen auf dieser Erde „sind vor die Aufgabe gestellt, auf glückliche Weise zu leben. Darum ist es wichtig herauszufinden, was uns wirklich glücklich macht.“

Glück bzw. Leiden können körperlich oder geistig sein. Wenn wir nicht schwer oder anhaltend krank sind oder es uns an wesentlichen Grundbedürfnissen mangelt, spielt unsere körperliche Verfassung im Leben eine untergeordnete Rolle und wir schenken ihr wenig Beachtung. Andererseits zeigt uns unser Körper nicht selten einen Mangel oder Störung auf geistiger Ebene an. Unser Geist nimmt jedes Ereignis wahr, so klein es auch sein mag. Er hat den größten Einfluss auf die meisten von uns. Unser Bestreben sollte daher sein, einen friedlichen Geist zu entwickeln. Ein guter Weg dorthin ist Meditation, bei all dem Geschäftigen des Tages und unseren lebhaften, oft auch widerspenstigen Gedanken, still zu werden und uns diese Ruhe selbst in Zeit eigener Aktivität zu erhalten. Das nützt nicht nur dem Körper und der Psyche, sondern verbessert auch Kreativität, Ausdauer, Kraft und Lebensfreude.
 

Innere Ruhe und Frieden für unser Wohlbefinden

 

Wie erlangen wir innere Ruhe? Der beste Weg ist Liebe und Mitgefühl zu entwickeln. Je mehr man sich um das Glück anderer bemüht, desto mehr wächst in uns ein Gefühl des Wohlbefindens. „Indem wir ein inniges, warmherziges Gefühl für andere entwickeln, wird unser Geist automatisch in einen entspannten Zustand versetzt. Dies hilft, alle möglichen Ängs-
te oder Unsicherheiten zu beseitigen, unter denen wir leiden, und es verleiht uns die Kraft, mit allen Schwierigkeiten fertig zu werden, mit denen wir konfrontiert sind. Liebe und Mitgefühl sind die eigentlichen Ursachen für ein erfolgreiches Leben.

 

Wenn wir inneren Frieden erreichen wollen, sollte natürlich auch unser Verhalten nach außen friedlich sein. Dies geschieht, indem wir einen friedlichen Geist entwickeln. Wer Frieden schaffen möchte, muss den Geist verändern.
 

Wenn wir negative Emotionen wie Zorn, Wut, Ärger, Eifersucht, Neid oder sogar Hass vermeiden, legen wir den Grundstein für unsere Zufriedenheit und Wohlgefühl und positive Entwicklung. Gleichzeitig versetzen wir uns in Geisteszustände, die mit diesen negativen Gefühlen nicht vereinbar sind. Wir können uns bestimmte positive Eigenschaften wie Mitgefühl, Liebe für andere und sich selbst, wie Toleranz, Respekt, Verständnis, Harmonie bewusst machen. So erkennen wir, dass wir alle Liebe suchen und dass diese zu erleben und zu verbreiten, den wirksamsten Schutz vor negativen Gedanken und Emotionen bietet.
 

Menschen und Gegebenheiten um uns beeinflussen unser Sein 
 

Wir Menschen sind alle „Wesen gleicher Art. Aus dieser Erkenntnis heraus kann ein echtes Gefühl der Brüderlichkeit, gegenseitigen Liebe und großen Fürsorge füreinander erwachsen und Selbstbezogenheit verringert werden. Der Weg dorthin ist… schwierig, aber auch lohnend.“

 

Nichts existiert unabhängig oder aus sich selbst heraus. Alles, auch die Menschen mit all ihrer individuellen Besonderheit existieren in wechselseitiger Abhängigkeit. Der Frieden einer Nation ist auch von ihren Nachbarn und der allgemeinen Weltlage abhängig, Wenn Sie meinen, eigenes Glück hätte nichts mit ihren Nachbarn, den Menschen um sie herum zu tun, so besteht die Gefahr, dass Sie sie schlecht behandeln, vielleicht schikanieren, ausnutzen oder einschüchtern. In solcher Umgebung kann man keine harmonische und friedliche Atmosphäre erwarten. Schlechte Gedanken und Gefühle stehen Freude im Herzen entgegen, und wir mit unserer unangenehmen Ausstrahlung werden zum Ärgernis für andere. Mit Freundlichkeit, Geduld und Verstehen verändert sich die ganze Atmosphäre.
 

Leiden verhindert unser Glücklichsein
 

Für das eigene Glücklichsein gilt es „ zu erkennen, worunter wir leiden sowie deren Ursachen zu erkennen und diese von jetzt an zu vermeiden“. Dies ist vor allem gerade durch die vom Leiden verstellte Sicht und unsere Ignoranz oft schwierig, zumindest eine große Herausforderung. Sich durch wiederholte Meditation mit diesem Thema bewusst zu befassen, kann dennoch hilfreich sein in dem Bemühen, die Ursache zu erkennen und das eigene Leiden zu lindern. Und es ist wichtig, beständig am Ball zu bleiben.  Grandmaster Choa Kok Sui, der Begründer der Prana-Heilung, nennt dies: konstante Zielstrebigkeit und Bemühen. „Die Wege müssen beschritten werden“ sagen die Buddhisten, und beschreiben dabei einen 8-fachen Weg, dessen Wesentliches auch in dem Kapitel „Charakterbildung“ in der Prana-Heilung sowie in den Yoga-Sutras enthalten ist. Darüber zu meditieren ist der Anfang, um falsche Vorstellungen zu zerstören.

 

Vorgehen bei der Meditation 
 

Wir unterscheiden zwei Arten von Meditation: die analytische und die punktförmige Meditation. Am Anfang steht die analytische Meditation. Bei dieser geht es um Untersuchung und Reflexion,  so kommen wir bei der zweiten, der punktförmigen Meditation dahin, mit dem Geist bei einer schon gewonnenen Erkenntnis oder angestrebten Tugend oder Eigenschaft, die wir loslassen wollen zu verweilen. In der analytischen Meditation würde ich mich z.B. mit der Art, allen Einzelheiten meines Leidens und den möglichen Ursachen befassen. Finde ich als Ursache in diesem Fall Unverständnis und Intoleranz gegenüber den Schwächen anderer Menschen heraus, so wird dies das Ziel der nachfolgenden punktförmigen Meditation sein. Oder findet man z.B. heraus, dass man inneres Glück und Zufriedenheit sucht und dies sich bei der Hinwendung und Einsatz für andere einstellt, so könnte man gezielt über Liebe und Mitgefühl meditieren.

 

Man könnte sich mit dem Gedanken befassen: Mögen alle Wesen frei von Leiden sein. Auch Grandmaster Choa Kok Sui hat zwischen analytischer und fokussierter Meditation unterschieden. Wir bereiten uns vor, indem wir durch Analyse uns erst einmal eines Themas klar und bewusst werden und dann in der Stille gezielt darüber meditieren, d.h. sich mit diesem Thema tief in uns, in unserem Herzen zu beschäftigen. Schweift man dabei ab, kann man zur analytischen Meditation zurückkehren, sich so wieder ausrichten und geht dann zur punktförmigen Meditation zurück, ohne Erwartung und offen für alle sich daraus ergebenden Impulse und Erkenntnisse.
 

Meditation auf dem edlen Pfad, dem achtfachen Pfad. Dabei gilt es Folgendes zur sicheren Befreiung vom Leiden und falschen Vorstellungen zu entwickeln:

Den Geist transformieren 
 

Wir versuchen, dies in unser Leben zu integrieren und es in uns präsent sein zu lassen. Das äußere Leben läuft praktisch darüber, oberhalb von tiefer Verbundenheit und innerer Stille.: Wir erledigen unser Tagesgeschäft in bester Weise und sind uns gleichzeitig unserer wahren Natur, unseres Geistes bewusst, die mit negativen Gedanken und Emotionen nicht vereinbar sind. Im Zustand der Meditation, der inneren Stille, gelingt uns dies am besten. Es ist gut, den Tag mit Meditation zu beginnen und den Tag auch mit einer kurzen Stille zu beenden. Versuchen Sie doch einmal, sich auf ein bestimmtes Thema zu konzentrieren und dieses in der Meditation zu segnen oder die höhere Energie der Meditation darauf zu lenken. Oder nehmen Sie sich etwas Zeit nach der Meditation und richten Sie die Aufmerksamkeit auf eines dieser Themen. Vielleicht fällt Ihnen eine bestimmte Begebenheit ein in diesem Zusammenhang. Wenn Sie sich nach Bedenken des rechten Verhaltens wünschen, anders reagiert zu haben, dann erschaffen Sie in der Meditation das positive Bild dieser Situation und sehen Sie sich selbst, wie Sie sich in bester Weise verhalten. Und genießen Sie das wohltuende Gefühl, das sich dabei entwickelt.

 

„Meditation bedeutet eine fortdauernde Beziehung zu einem heilsamen Objekt herzustellen, mit dem Ziel den Geist zu transformieren….Verstehen allein transformiert den Geist noch nicht. Selbst wenn wir auf intellektueller Ebene die Vorteile eines elbstlosen, erwachten Geistes verstehen, muss dies nicht automatisch eine Auswirkung auf unseren selbstzentrierten Geist haben.
 

Vorbereitung zur Meditation

 

Äußere Vorbereitung 

Mit wachsender Meditationserfahrung verlieren äußere Umstände an Bedeutung. Allgemein versuchen wir:

- einen ruhigen Platz zu finden
 

- den Meditationsort aufzuräumen. Äußere Ordnung hat einen Einfluss auf innere Ordnung, Ausgeglichenheit und Ruhe und geistige Klarheit.
 

- einen festen Meditationsplatz festzulegen. Energie aus der Meditation sammelt sich dort mit der Zeit. Dies hilft, schneller und tiefer in den Meditationszustand zu kommen. Gleiche Wirkung hat ein Meditationstuch, in das man den Körper hüllt oder sogar auch den Kopf wie eine Kapuze.
 

- aufrecht zu sitzen. Es empfiehlt sich ein Sitzkissen zu verwenden, da unser Rücken so entspannter ist. Man kann dabei auch ein Bein ausstrecken, aus energetischen Gründen am besten das rechte, während das linke nah am Damm liegt.

 

- Die Zunge kann am Gaumen liegen.
 

- Am Anfang hilft es, die Augen geschlossen zu halten, gerade wenn man etwas visualisieren und sich nicht ablenken lassen möchte. Mit der Zeit kommen wir dazu, die Augen halb oder ganz offen zu halten. Dies hat den Vorteil, dass wir das geistige Bild, auf das wir uns in der Meditation ausgerichtet haben, auch danach nicht so leicht verlieren. Sonst geht es leicht verloren, sobald wir die Augen öffnen.
 

- Die Atmung ist natürlich und ruhig. Bei tiefer Meditation verlangsamt sie sich oft unwillkürlich.  Wenn der Geist unruhig ist, können wir durch bewusstes Atmen, z.B. mit innerer -Ansage
 

„Einatmen - Ausatmen“ Geist und Körper beruhigen und ausrichten. Die Aufregung lässt nach, und es fällt leichter, klare Gedanken zu fassen.
 

- Um wirklich ruhig in der Meditation zu verweilen ist Entschlossenheit notwendig, der feste Wunsch ein inneres Gleichgewicht zu erlangen, sich daran wirklich zu erfreuen und sich nicht durch eigene Gedanken oder äußere Einflüsse stören zu lassen. Zielstrebigkeit. Achtsamkeit und verlängertes Bewusstsein bilden sich immer mehr aus, und so erkennen wir schnell, wenn Lethargie oder Aufgeregtheit uns zu stören drohen oder sich ankündigen.
 

Innere Vorbereitung:

9 Stufen der Konzentration in der Meditation
Der Geist richtet sich durch regelmäßige spirituelle Praxis graduell immer mehr aus. Folgende Stufen kann man unterscheiden:
 

Der erwachte Geist


Bis dahin geht es darum, wie man ruhig und mit der Zeit mühelos mit erweiterter Aufmerksamkeit bei einem Objekt bleibt. Lässt man den eigenen Geist zum Meditationsobjekt werden, so gelingt es, den eigenen Geist tiefgehender zu verstehen und immer mehr die Fähigkeit des Geistes zu verwirklichen, alles was sich ihm darbietet, mit „lebhafter Klarheit“ zu erfassen. Gelingt uns dieses ruhige Verweilen, ist unser Geist stabil und widerstandsfähig. „Es spielt keine Rolle, auf welche Art von heilsamem Objekt oder welche Erkenntnis er sich konzentriert, der Geist bleibt punktförmig ausgerichtet. Durch diese Kraft erreicht der Geist die bedeutsame Fähigkeit, tiefgehende Erkenntnisse zu verwirklichen.“

 

Ein erwachter Geist lässt sich nicht allein durch Wünsche oder Gebete, allein durch intellektuelles Verstehen, durch Segen oder Gnade zu verwirklichen. Wir selbst können ihn durch beständige Meditation und Gewöhnung kultivieren. „Herzensgüte und das Erwachen des Geistes sind eng miteinander verbunden (S. 126). Der erwachte Geist ist grenzenlos gütig und von Weisheit erfüllt.“ Hat man dies, wenn auch nur im Ansatz, erfahren, erzeugt das eine innere Fülle und Zufriedenheit, die uns motiviert, an uns zu arbeiten und unsere meditativen Fähigkeiten zu trainieren. Ein erwachter Geist strebt nach Entwicklung, Gutes zu tun und Verbundenheit zu erlangen.
 

Mitgefühl richtet sich auf fühlende Menschen und Weisheit richtet sich auf Erleuchtung.

 

„Der erwachte Geist ist wie ein Same….Er ist wie ein Feld, in dem alle positiven Eigenschaften heranreifen. Er ist wie der Boden, auf dem alles ruht. Er ist mit dem Gott des Reichtums vergleichbar, der alle Armut beseitigt. Er ist wie ein wunscherfüllen des Juwel. Er ist eine Wunderlampe, die alle Wünsche befriedigt. Er ist ein Speer, der die Armeen der störenden Emotionen bezwingt. Er ist eine Rüstung, die vor unrechten Gedanken schützt. Er ist ein Schwert, das störende Emotionen enthauptet. Er ist eine Waffe, die alle Angriffe abwehrt. Er ist ein Wirbelsturm, der alle geistigen Hindernisse und deren Ursachen zerstreut. Er ist die Essenz der Lehre, die alle Gebete und Handlungen der Bodhisattvas umfasst. Er ist ein Schrein, vor dem jeder opfern kann… Wir sollten den Erwachten Geist nicht nur als Gegenstand der Verehrung betrachten, dem wir Respekt zollen müssen. Er ist etwas, das wir in uns selbst entwickeln sollen. Wir haben die Fähigkeit und die Möglichkeit dazu.“
 

Nach „Der Sinn des Lebens“, Dalai Lama, Dalai Lama Yogawiki
 

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