© 2016 Sri Sai Verein für Yoga und Meditation e.V.

Sri Sai Prana Yoga

auf  Facebook

  • Facebook Social Icon

Sri Sai Prana Yoga

Die Bhagavadgita und unser Leben

Die Bhagavadgita ist eine der essentiellsten Schriften des
Yoga und über den Weg zu Gott. Sie ist auch integraler Bestandteil
unserer Yogalehrerausbildung.
In der Gita geht es um Lord Krishna, der mit dem großen
Kämpfer Arjuna spricht. Arjuna steht in seinem Nichtverstehen
und mit seinen Schwierigkeiten für uns Menschen und
Krishna ist eine Verkörperung Gottes. Krishna erklärt sehr
ausführlich die unterschiedlichen Wege, Gott zu erreichen.
Es sind im wesentlichen drei Wege, der des Karma Yogi,
des Bhakti Yogi und des Jnana Yogi. Da jeder Mensch andere
Talente und Ausrichtungen hat, ist der Weg nicht für
jeden gleich. Je nach den karmischen Voraussetzungen ist
jeweils ein bestimmter Weg für das entsprechende Leben
passend. So kann man auch nicht sagen, einer der Wege
sei besser als die anderen. Obwohl der Weg des Bhakti
Yogi dem Vernehmen nach der schnellste und direkteste
Weg zu Gott ist, kann doch nicht jeder diesem Weg folgen.
Der Karma Yogi findet seine Befriedigung und auch seinen
spirituellen Weg in der Arbeit. Arbeit ist Gottesdienst. Um
aber wirklich den Schritt von normaler Arbeit mit Ziel und
willentlicher Beteiligung hin zu einer spirituellen Praxis zu
machen, muss er lernen, alles was er tut Gott zu weihen.
Alle Anstrengung sollte mit dem Ziel erfolgen, sie so gut
oder sogar perfekt wie möglich zu tun. Das Ergebnis, die
Früchte der Arbeit behält der Karma Yogi nicht für sich.
Er opfert sie voller Freude Gott. Das bedeutet, er hat die
Anhaftung an den Ergebnissen seiner Arbeit aufgegeben.
Dann kann er frei sein und handeln, um zu handeln. Arbeit
wird für Gott getan und als Gottesdienst.
Der Bhakti Yogi sucht die direkte Vereinigung mit Gott, nur
das macht ihn glücklich. Er tut alles, um seinem oder seiner
göttlichen Geliebten nahe zu kommen. Das Erlebnis
von Einheit ist so wunderbar und überwältigend, dass er
nur das sucht und zwar immer. Der Weg wird durch Singen,
tanzen, Japa und Hingabe erfahren. Freude und Liebe sind
die Schlüssel. Bhakti Yoga ist der schnellste Weg zu Gott,
sagt man.
Der Jnana Yogi nähert sich seinem Leben und Gott durch
den Verstand. Mittels des Denkens, durch Wissen, durch
immer tieferes Verstehen der Welt, des Kosmos und der
darin wirkenden Gesetzmäßigkeiten beginnt er zu verstehen.
Sein sich vertiefendes Wissen und das Denken, das
sich mit Intuition verbindet, führen ihn zur Erkenntnis Gottes.
Denken ist zunächst kühl. Der Jnana Yogi scheint der
Gegenentwurf zum schnellen direkten Weg des Bhakti
Yogi zu sein. Und doch wird der Jnana Yogi, wenn er seinem
Weg bis zum Ende folgt, auch die Freuden der Vereinigung
mit Gott erfahren.

 

Wir alle haben das in der Yogalehrerausbildung gehört,
lang und immer wieder - nur was wird daraus?
Zunächst, wenn man davon hört und liest, ist das alles eher
theoretisch. Um Gott alles hingeben zu können, muss man
davon ausgehen, dass er existiert. Du musst die Erfahrung
machen, dass da etwas ist. Natürlich wird niemand in unseren
Reihen die Existenz Gottes abstreiten. Aber wie genau
und wo erfährst du ihn, was ist das für dich? Ist Gott wirklich
jemand, der dafür sorgt, dass es dir immer gut geht?
Master Choa schreibt, er erfährt Gott als eine sehr subtile,
intelligente Energie, die zugleich extrem kraftvoll ist.
Du kannst ihn erfahren. Wenn du betest, kommt tatsächlich
Energie - die kannst du scannen, du kannst sie wahrnehmen.
Natürlich können wir Gott nicht begreifen, ihm nicht
mit unserem limitierten Verstehen und unserer menschlichen
Erfahrung beikommen. Und doch sollte es Erfahrung
von etwas geben, das über unser normales Verstehen hinausgeht,
Erfahrung jenseits von Kategorien und Vorstellungen über Spiritualität. Wichtig dabei scheint mir zu sein,
dass wir bereit sind, uns auf unsere eigene Entdeckungsreise
zu begeben. Lass die Vorstellungen von Gott oder dem
spirituellen Weg los. Das heißt: Höre auf, den spirituellen
Weg auf heilige Bücher und gutes Verhalten zu reduzieren.
Alles sollte Teil dessen sein. Begib dich auf deine persönliche
Entdeckungsreise. Sei dabei ehrlich und sei demütig.
Wisse um deine Beschränkung und sei dankbar für jede Erkenntnis
und Hilfe und sprich nicht darüber.
Master Choa sagt, die Lehrer und Meister sind der Finger,
der auf den Mond zeigt. Ziel ist der Mond, nicht der Finger.
Die Lehrer und Meister können den Weg zeigen, aber du
musst ihn gehen, du musst ihn verwirklichen im Einklang
mit deinem Leben. Du hast nichts anderes, dein Leben ist
dein Weg.
Und gleichzeitig ist der Guru Gott, transportiert er die Energie
Gottes. Selbst wenn Gott dir zürnt, kann der Guru dich
retten. Das bezieht sich aber weniger auf den physischen
Guru sondern mehr auf seine grenzenlose Seele.
Die meisten Menschen suchen auf einem Weg jemanden,
der ihnen sagt, was richtig und falsch ist und was sie tun
sollen. Das ist aber möglicherweise erst der Anfang und
der Weg ist so noch nicht der eigene geworden. Mach ihn
zu deinem eigenen. Sieh, wie genau das Gehörte für dich
Relevanz hat. Sich mit wissendem Gesicht über die Gita zu
unterhalten ist uninteressant. Die persönliche Erfahrung
und das Sich-Einlassen sind das, wo es weitergehen kann.
Es gibt nur diesen Moment - jetzt - und die Erfahrung davon.
Alles ist Gott. Kannst du das wahrnehmen? Gut, sprich
nicht darüber.


Winfried Pfliegel               (www.sri-aruna-yoga.de)