Sri Sai Prana Yoga

Spaß an Partnerübungen?
Aufwind Kinder-Yoga

Auf der Suche nach Ausgleich vor dem Alltagsstress.

Kopfschmerzen, Herzkreislauf-Beschwerden und Magen-Darm-Probleme, die häufig nicht auf körperliche Ursachen zurückzuführen sind, Erschöpfung und sogar Depressionen... Was sich anhört wie die Beschreibung typischer Symptome von Menschen, die unter jahrelangem Dauerstress und am Ende sogar unter Burn-out aufgrund ihrer beruflichen Überbeanspruchung leiden, ist in Wahrheit das, worunter in etwa 1,1 Millionen Kinder und Jugendliche in  Deutschland leiden. Dies geht aus einer Studie der KKH vom Oktober 2018 hervor(1).

 

Als Gründe dafür nennt die Studie Stress aus hohem Leistungsdruck durch Schule, Eltern und eine dauerbeschleunigte Gesellschaft, die digitale Reizüberflutung, Mobbing in sozialen Netzwerken und Versagensängste. Viele Kinder und Jugendliche kommen mit ihrem Leben nicht mehr klar, weil sie überfordert und verzweifelt sind.

 

Die schlechte Nachricht: Der Stress wird in Zukunft nicht weniger werden. Ich als Mutter von zwei Kindern (7 und 9 Jahre) merke dies bereits in erheblichem Maße. Und das, obwohl ich von mir behaupten würde, bemüht darum zu sein, meinen Kindern eine ruhige Umgebung und Kindheit bieten zu wollen.  So sehr man sich darum bemüht, äußere Umstände, wie zum Beispiel sozialer Druck bei bestimmten Dingen dabei sein zu müssen um teilzuhaben, ziehen unsere Kinder in diese Welt hinein. Natürlich gilt auch: Es macht wenig Sinn, alles von unseren Kindern fernzuhalten, was nach Stress und Belastung riecht. Denn immerhin müssen sie auch lernen, später damit umgehen zu können. Es ist also umdenken notwendig, nicht jammern oder Gesellschaftsschimpfe, denn das würde eh nichts bringen.

 

Und das führt mich nun zur guten Nachricht. Denn es gibt Wege und Möglichkeiten unseren Kindern zu vermitteln, wie sie mit den Herausforerungen der Gesellschaft umgehen können. Ein für mich sehr naheliegender Weg ist natürlich Yoga, und zwar Yoga für Kinder. Nachdem ich nun bereits seit vielen Jahren die wohltuende Wirkung des gesamtem „Yoga-Way-of-life“ genieße, dachte ich mir, dass man ja nicht immer erst bis zum ersten großen Eintauchen in das „wahre Leben“ mit Anfang 2 0 warten muss, wenn man dann feststellt, dass das Leben nicht nur aus Party und Sonnenseiten besteht. Nein, unsere Kinder können und müssen heutzutage schon viel früher Strategien entwickeln und kennenlernen, mit Stress umzugehen.

Kinder-Yoga darf aber nicht so aussehen, dass man mit Kindern einfach wie mit Erwachsenen Asanas und Atemübungen durchführt. Es muss kindgerecht aufbereitet sein und man muss sie dort abholen, wo sie sind. Kinder haben unglaublich viel Energie und wollen sich nicht 2 0 Minuten lang bewegungslos auf den Boden legen und dann dort bei der Endentspannung mehr oder weniger freiwillig in den Schlaf hinübergleiten, was ich jede Woche bei meinen Erwachsenenyogastunden beobachten kann. Ich brauchte
also erst einmal Inspiration und die Auseinandersetzung mit Yoga für Kinder. Ein besonderer Dank geht hier an Claus Fischer und sein Team von LionKids, von deren Konzept ich sehr viele Ideen in meine Yoga-Stunden für Kinder gewinnbringend übernehmen durfte.  Und die Kinder lieben es! Das zeigt sich alleine schon daran, dass die Kinder in nahezu jeder Yoga-Kids-Stunde vollzählig anwesend sind.

Eckpfeiler der Yoga-Kids-Stunden sind Bewegungsspiele, Wahrnehmungsspiele, Meditation, Atemübungen und natürlich auch die Entspannung. Am Beginn jeder Einheit steht aber unser Anfangsritual. Wir sitzen dabei im Kreis, begrüßen uns mit einem herzlichen Namastè und der Sprechstein dreht seine Runde. Das bedeutet, jedes Kind äußert kurz wie es sich fühlt, wie die Woche war usw. Daraus resultiert dann auch, welche Asanas und Spiele heute gemacht werden. Dies wird durch mich als Yogalehrerin festgelegt. Wenn es aber passt oder bestimmte Anlässe es anbieten (z. B.
Geburtstage),  dürfen auch die Kinder mitbestimmen. Die Bewegungsübungen können einfache Spiele sein wie die „Reise nach Jerusalem“ oder aber auch KIM-Spiele. Nach den aktiven Phasen und den Asanas gibt es immer wieder kurze Entspannungssequenzen, bei denen die Kinder ihren Körper und Atem spüren. Die Kinder atmen in den Bauch. Als Unterstützung dienen Kuscheltiere, die die Kinder auf ihren Bauch legen. Damit können sie sich besser vorstellen, wohin sie atmen müssen. Wir nennen es daher die „Kuscheltieratmung“.
 

Auch Charakterbildung fließt in jede Stunde mit ein. Jeder Monat unterliegt einem Motto. In diesem Monat besprechen wir, wie wichtig Zusammenarbeit ist. Zu jedem Thema bekommen die Kinder eine kleine Hausaufgabe. Sie sollen sich z. B. mit der Frage auseinandersetzen, wie man sich fühlt, wenn einem unaufgefordert bei einer Arbeit geholfen wird und man unterstützt wird. Zu der Reflexion gesellt sich dann auch eine ganz praktische Aufgabe, wie z. B.: „Hilf jemandem unaufgefordert bei einer Aufgabe.“  Wird die Aufgabe erledigt, bekommen die Kinder einen Stempel in ihr Hausaufgabenheft. Die Hausaufgaben stellen aber in den allermeisten Fällen keinen zusätzlichen Aufwand für die Kinder dar. Es hat sich gezeigt, dass die Kinder die Aufgaben meistens in ihrem Alltag sowieso schon erledigen. Ziel davon ist es aber, ein Bewusstsein bei den Kindern zu erzeugen, indem sie die Aufgaben auch einmal ohne Aufforderung von Mama oder Papa angehen und damit ihren Beitrag zur Gemeinschaft von sich aus leisten. Die Kinder sind darauf dann auch besonders stolz und sehen ihr Hausaufgabenheft als Auszeichnung und weniger als lästige Pflicht. Auch hier möchte ich nochmals auf das Lion-Kids-Konzept von Claus Fischer und seinem Team verweisen, das hier viele sehr wertvolle Ideen und Anregungen liefert.

 

Eine große Herausforderung für die Kinder sind Meditation und Entspannungsübungen. Hier äußert sich in besonderem Maße, wie wenig unsere Kinder heutzutage zur Ruhe kommen. Das Nichtstun ist ihnen fremd. Stille und Situationen ohne visuelle und auditive Reize sind für sie ungewohnt, man meint in manchen Fällen auch unangenehm.
Hier kommt unsere Schüttelflasche ins Spiel. Dies ist eine ganz normale Milchflasche aus Glas. Diese ist mit Wasser, Sand und „Schneeflocken“ wie in einer Schneekugel gefüllt. Vor der Meditation wird diese einmal kräftig geschüttelt und dann abgestellt. Jedes Kind reflektiert, wann sich das Treiben in der Flasche so beruhigt hat, dass es dem eigenen

aktuellen gedanklichen Zustand wiederspiegelt. Jedes Kind darf dies kurz beschreiben, wenn es möchte. Die Flasche wird stehen gelassen bis sich das Treiben der Partikel in der Flasche beruhigt und sich das meiste am Boden abgesetzt hat. Dies soll nun den erwünschten Zustand visualisieren. Die Meditation beginnt mit dem Mantra „Om“ oder „Om Mani Padme Hum“ und danach wird kurz n die Stille meditiert. Danach wird verglichen. Wie waren die Gedanken zuvor und wie sind sie danach? Die Kinder stellen in den allermeisten Fällen ein inneres Ruhigerwerden fest. Auch hier sind also wieder die persönliche Erfahrung und das Wahrnehmen von großer Bedeutung. Es ermöglicht den Kindern, ihren Zustand auch in anderen Situationen mehr als Beobachter und weniger als direkt Reagierende wahrzunehmen.

Zum Abschluss der Stunde wird immer eine Endentspannung durchgeführt. Sie kann passiv in Form eine Körperreise oder auch aktiv in Form einer Massage sein. Hier wie auch bei der Meditation gilt: weniger ist zu Beginn mehr. Die Kinder müssen an diese Phasen des Stillseins herangeführt werden. Man sollt also zu Beginn mit kürzeren Entspannungsphasen beginnen. Man kann diese dann verlängern, wenn man merkt, dass die Kinder dazu auch bereit sind.
 

Unsere Kinderyoga-Gruppe gibt es seit mittlerweile einem Jahr und es ist wirklich schön zu sehen, wie gerne die Kinder in die Stunde kommen. Alles, was wir machen, saugen sie förmlich auf. Es tut ihnen richtig gut, ihren Körper zu bewegen ohne dabei etwas leisten zu müssen. Jeder ist wo wie er ist. Und so finden auch eher „unsportliche“ Kinder viel Spaß daran. Für viele war es auch wichtig sich selbst erst einmal spüren zu lernen. Unsere Zeit ist wie sie ist. Wir haben sie so gemacht und  das können wir auch nicht mehr so schnell ändern. Wir können unseren Kindern aber etwas mitgeben und sie auf das, was sie vorfinden vorbereiten. Schon Frederick Douglass sagte: „Es ist einfacher starke Kinder aufzuziehen, als kaputte Erwachsene zu reparieren“. Yoga für Kinder kann definitiv ein passendes Werkzeug dafür sein!
 

Tanja Kneitinger

(1): Quelle: https://www.kkh.de/content/dam/KKH/PDFs/ Presse/KKH%20-%20Stress%20bei%20Schülern%20
-%20Presseinformation%20und%20Grafiken.pdf)

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