Sri Sai Prana Yoga

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ALL LIFE IS YOGA

All Life is Yoga

Immer wieder erwarte ich, wie sicher viele der Leser, mit Freude die Yoga-News. Die Beiträge der unterschiedlichen Autoren werfen Licht auf unterschiedliche Aspekte des Yoga. Die geschilderten persönlichen Erfahrungen lassen mich oft staunen und ich bleibe nicht selten zurück mit Achtung vor dem Mut und der Offenheit der Autoren.

Neulich stieß ich dabei auf eine Bemerkung, die mich nicht mehr losließ und meinen Widerspruch erregte. Manche können nicht verstehen, dass man während der Ausbildung „Shoppen“ gehen kann und sich ins getümmelt Indien stürzt. Weg sei sie, die Chance zur inneren und äußeren Einkehr, dahin die Möglichkeit zu wachsen.

Meine Erfahrung ist da eine ganz andere, und vielleicht teilen sie auch andere. Eine eigene, subjektive Bewertung steht selbstverständlich jedem zu. Faszinierend für mich an Yoga ist immer wieder, dass im Gegensatz zu vielen Erfahrungen meiner Vergangenheit und meiner strengen katholischen Erziehung, dieser Weg große Freiheiten bietet, für jeden seinen eigenen Yoga-Weg zu finden.

In Rishikesh, während unserer Yogalehrer-Ausbildung, konnten wir eine Botschaft immer wieder erfahren: ‚Du darfst!‘ Acharya Sasidhars Baghavad-Gita-Stunden schienen für mich stets auf diese eine Botschaft hinzuleiten: „Wenn du dein Ziel im Auge - und natürlich auch im Herzen -behältst und dich mit Hingabe darauf ausrichtest, ist der Weg den du beschreitest, der richtige! „Bleibe achtsam und lebe mit Hingabe“ war die Botschaft. Feste Regeln in Form von konkretem „Du darfst dies nicht oder du musst dies oder jenes genauso tun“ konnte ich nicht entdeckten. Im Gegenteil, Arjunas strikte selbst auferlegte Regeln, standen Ihm im Weg. Er musste sie achtsam, mit Krishnas Hilfe, aus neuer Perspektive betrachten, um seiner Bestimmung
folgen zu können.

Achtsamkeit für die Signale meines Körpers zu entwickeln, war meine erste Herausforderung. Ich wurde krank und als ich nach ein paar Tagen wieder Asanas mitmachen konnte, war es eine Aufgabe für mich, zu akzeptieren, nach 2 Sonnengrüßen in Shavasana, der Entspannungslage, neben den anderen zu liegen, während diese 15 weitere Sonnengrüße absolvierten. Ich benötigte mehrere Ermahnungen von Master Sai um wirklich zu spüren, was meinem Körper gut tat und mich nicht, getrieben vom Ehrgeiz, zu überfordern.

Achtsamkeit im Handeln zu entwickeln, ist sicher eine lebenslange Aufgabe.

Fragen, die stets wiederkehren sind: „Was soll ich tun, wie mich verhalten?
Warum reagiere ich emotional? Was ist in diesem Lebensaspekt, in dieser Situation, das Richtige?

Am ersten Ausflugstag in Rishikesh (man könnte auch sagen ‚Shopping-Tag‘) hat Master Sai mir dann Ruhe verordnet. „Du bleibst besser hier und ruhst dich aus!“ Ich war den Tränen nahe und fragte mich, warum ich so emotional reagierte. Natürlich war mein Körper noch zu schwach und es war vernünftig, mich nicht dem Gewimmel der indischen Großstadt auszusetzen. An diesem Nachmittag, bei einem langen Spaziergang am wunderbaren Ganges, wurde mir bewusst, was diese Art des „Shopping“ für mich bedeutet.

Ich liebe Indien seit ich zum ersten Mal meine Füße auf indischen Boden gesetzt habe. Dies ist nun 30 Jahre her. Indienreisen bedeuten für mich nicht nur Kontemplation, sie berühren die ganze Fülle des Lebens, ich schaue mich um und entdecke Yoga überall…

Ich bewundere die indischen Frauen, die in Ihren Saris aus einer ärmlichen Hütte, einem Verschlag kommen und trotz Ihrer Armut in aufrechtem, selbstbewussten Gang zum Markt gehen. Oft vergleiche ich diese Körperhaltung mit unserer und kann nur Bewunderung dafür empfinden. Hat diese Innere Kraft mit Yoga zu tun?

Die Obst- und Gemüsehändler sortieren sorgsam selbst kleinste Mengen an Gemüse und Obst, schichten sie zu kleinen Türmchen auf, damit es schön aussieht. Ist das Hingabe? Ist das Yoga?

An einer alten Frau, die täglich auf einem Karren sitzt und scheinbar endlos Blumen zu Girlanden auffädelt, lief ich oft vorbei. Sie hatte stets ein strahlendes Lächeln für mich, die Fremde, der es sichtlich besser ging als ihr. Ist das Yoga?

Kinder die völlig ausgelassen im Ganges baden, Frauen in bunter Kleidung, die Wassereimer schleppen, orange gekleidete
Saddhus, auf den Boden gemalte Mandalas vor den Türen….. Ich sauge all diese visuellen Eindrücke auf und entdecke (fast) überall Aspekte des Yoga.

In einer Mittagspause kaufe ich kleine tönerne Divali-Lampen. Nach meiner Rückkehr in Deutschland verschenke ich sie und berichte den Beschenkten von unserem täglichen Ritual am Ganges. Unsere Sorgen und Nöte einem Licht anzuvertrauen und dann dieses Licht Mutter Ganga zu übergeben.
Vertrauen und Loslassen!

Die Schönheit und Farben Indiens, aber auch die Widersprüche, all das findet auch Ausdruck in den Dingen die wir kaufen. Es wird mir bewusst wie gesegnet ich bin, mir diese Reise, diese Einkäufe leisten zu können. Wie schön, dass meine Familie, mein Mann dies unterstützt.

So findet all das, die Fragen, Antworten, Vorsätze, Ahnungen und Erinnerungen einen Platz in meinem Leben zu Hause, auch durch Dinge die ich mir und anderen mitbringe. Mir tut das gut und es hilft mir, in unruhigen Zeiten mich stärker zu erinnern. Kleine Anker habe ich mir mitgebracht, meinen Meditationsschal mag ich besonders - lange hatte
ich das Gefühl er riecht nach Rishikesh!

Ich mag diese Art zu leben, zu genießen, zu teilen und zu erinnern. Oft war ich beim Kaufen innerlich ganz nah bei den Menschen, für die ich etwas aussuchte und doch auch ganz in der Yogaenergie dieser Ausbildung in Indien. Ein bisschen davon scheint mir, haftet noch lange an den Gegenständen, wie ein Segen, der sie und mich begleitet.

Die Aussage, „All life is Yoga“, können wir ganz unterschiedlich verstehen und aufnehmen. Auch beim Einkaufen und beim Eintauchen in das Getümmel Indiens, ist das Wesentliche die Intention, mit der wir es tun und erleben.

Innere Einkehr und Inneres Wachstum ist an vielen Orten und auf viele unterschiedliche Weisen möglich. Für mich persönlich wäre es ein Verlust, auf einer Reise, diese wunderbar lebendige Atmosphäre nur aus der Ferne beobachtenden zu können. Insofern gilt für mich im Gegensatz zu manch anderen: „Man sollte es unbedingt machen, weil für mich sonst ein wichtiger Aspekt fehlt.!“
Liebe Grüße an alle ‚Shoppenden‘ und ‚Nicht-Shoppenden‘ Yogis ;)

Gisela Berti

© 2016 Sri Sai Verein für Yoga und Meditation e.V.

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